Harter Herbst für Stahlkocher: Warnung vor China-Schwäche
Harter Herbst für Stahlkocher: Warnung vor China-Schwäche. Der führende Stahlkonzern ArcelorMittal hat im zweiten Quartal einen Milliardengewinn erzielt. Für das laufende Vierteljahr wurde der Markt aber wieder auf sinkende Erträge eingestimmt. Seit Anfang April hat die Arcelor-Aktie bereits über 30 Prozent verloren. Zwischen Anfang April und Ende Juni erwirtschaftete ArcelorMittal einen Nettoertrag von 1,7 Mrd. Dollar, nach einem Verlust von 792 Mill. Dollar im von der Wirtschaftskrise geprägten Vorjahreszeitraum, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Luxemburg mit. ArcelorMittal setzte eine Erholung der Stahlpreise und die steigende Nachfrage damit voll in Gewinne um. Den Überschuss vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA) bezifferte Arcelor auf drei Mrd. Dollar - was die mittlere Markterwartung voll erfüllte: 16 von Bloomberg befragte Analysten hatten zuvor im Durchschnitt einen Wert von 2,98 Mrd. Dollar prognostiziert. Der Vorstandsvorsitzende Lakshmi Mittal äußerte sich laut der Ergebnismitteilung für die laufenden Geschäfte allenfalls verhalten optimistisch. ArcelorMittal stimmte die Anleger für das dritte Quartal auf EBITDA-Basis auf einen Gewinn zwischen 2,1 und 2,5 Mrd. Dollar ein. Das sei auf eine Reihe saisonaler Faktoren und die Folgen einer Wachstumsabschwächung in China zurückzuführen. "Die Sommerflaute in Europa, ebenso wie die Konjunkturabkühlung in China werden bei weiter steigenden Rohstoffkosten die Preise unter Druck setzen", erläuterte Finanzchef Aditya Mittal in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. "Insgesamt verbessert sich die Nachfrage aber", hieß es in der Mitteilung weiter. Als größte Herausforderung bezeichnete es Konzernchef Mittal darin, dass die höheren Kosten in vollem Umfang an den Kunden weitergegeben werden. Stahlunternehmen haben derzeit weltweit mit wachsenden Rohstoffkosten zu kämpfen und wollen diese auf die Stahlpreise aufschlagen. So hatten sich Eisenerz-Förderer zuletzt auf das Ende einer vierzigjährigen Praxis jährlicher Preisfestsetzungen geeinigt. Daneben ist die Stahlindustrie von der Erwartung wieder sinkender Nachfrage auf dem Weltmarkt bedroht. So laufen verstärkt staatliche Förderprogramme aus und dämpfen die Nachfrage für Fahrzeuge und Baustahl. ArcelorMittal erwägt derzeit nach eigenen Angaben einen Verkauf der Edelstahlsparte, hieß es ergänzend. Es werde geprüft, ob sich das Geschäft als separate Einheit profitabler führen lässt. Im zweiten Quartal wurde hier ein Vorsteuerumsatz von 1,54 Mrd. Dollar erzielt. ArcelorMittal entstand im Jahre 2006 aus dem Zusammenschluss von Arcelor und der indischen Mittal Steel.
