Kunden verärgert: Stahl wird wieder teurer
Stahl wird schon wieder teurer. Führende Stahl-Produzenten wie Arcelor-Mittal und Thyssen-Krupp wollen im Oktober die Verkaufspreise erneut erhöhen. Die Kunden sind verärgert, denn schon in den ersten neun Monaten des Jahres haben die Hüttenkonzerne ihre Verkaufspreise verdoppelt. Das Klima zwischen den Stahlherstellern und den wichtigen Kunden aus der Auto– und Maschinenbauindustrie war selten so angespannt wie heute. Erzürnt sind die Abnehmer über immer neue Preiserhöhungen: Schon in den ersten neun Monaten haben die Hüttenkonzerne ihre Verkaufspreise verdoppelt. Nun soll der Werkstoff zum vierten Quartal erneut teuer werden. Neuer Ärger ist damit programmiert – nicht nur wegen der Verteuerung. Auch über das künftige Preissystem streiten die Kontrahenten. Bis 2010 war das Procedere relativ simpel. Einmal im Jahr wurden die Preise festgelegt, Abnehmer wie Volkswagen, Heidelberger Druck oder Miele konnten danach die benötigten Mengen abrufen. Für die Stahlproduzenten waren die Verträge risikolos, kauften sie ihrerseits Eisenerz und Kokskohle zu stabilen Preisen ein. Doch damit ist es vorbei, seit die Bergbaukonzerne BHP Billiton, Vale und Rio Tinto die Vertragslaufzeiten von jährlich auf vierteljährlich umgestellt und die Rohstoffpreise an den schwankenden Spotmarkt gekoppelt haben. Um die dadurch ausgelöste massiven Verteuerung aufzufangen – allein im zweiten Quartal verdoppelte sich der Erzpreis – geben die Stahlkocher die höhere Rohstoffkosten an ihre Kunden weiter. Nach Preiserhöhungen im zweiten und dritten Quartal wollen die Produzenten die Stahlpreise Anfang Oktober erneut anheben. Allerdings soll der Zuschlag kleiner ausfallen als in den vergangenen Quartalen. Weltmarktführer Arcelor-Mittal will seine Bezugspreise für warmgewalzten Flachstahl – ein wichtiges Referenzprodukt – um rund fünf Prozent auf 620 bis 630 Euro pro Tonne erhöhen. Auch die deutschen Konkurrenten Salzgitter und Thyssen-Krupp ziehen mit. Im Gespräch sind vergleichbare Aufschläge beim Branchenprimus. Die Stahlindustrie sieht genügend Spielraum für höhere Preise. „Im vierten Quartal bewegt sich die Stahlnachfrage in Europa nach oben“, sagte ein Manager von Arcelor-Mittal dem Handelsblatt. Die Kunden hätten sich im Sommer mit Bestellungen zurückgehalten, nun aber müssten sie ihre Läger auffüllen. Vor allem im deutschen Maschinenbau und der Autobranche sei die Auftragslage sehr erfreulich. „Wir rechnen daher für das kommende Quartal mit einem Absatzplus von sieben bis zehn Prozent gegenüber dem dritten Quartal“, sagte der Manager. Die in den vergangenen Wochen von Marktteilnehmern geäußerte Sorge, dass die Stahlkonzerne ihre Werke nach der Krise zu schnell hochfahren würden und mit einer Überproduktion die Preise unter Druck setzen, weisen Firmenvertreter zurück. Die Hütten würden sehr diszipliniert gefahren, hieß es in der Industrie. Zwar werde die Auslastung der Anlagen im vierten Quartal steigen, aber nur dem Bedarf entsprechend. Um einem Überangebot vorzubeugen, will Arcelor-Mittal drei stillgelegte Hochöfen in Europa auch im Schlussquartal nicht in Betrieb nehmen. Die Stahlkonzerne müssen sich dennoch auf harte Verhandlungen einstellen, da der Widerstand gegen ihre Preispolitik wächst. Vergangene Woche hatte der Hausgerätehersteller Miele diese als großes Problem für die Branche eingestuft. Auch die Autobauer wollen die Preisaufschläge nicht schlucken. Dem Vernehmen nach sperren sich einige gegen die neue Preisstruktur bei Jahresverträgen. So akzeptierten sie die von Thyssen-Krupp vorgeschlagenen „Rohstoffanhänger“ nicht. Durch diesen sollen die vierteljährlichen Schwankungen bei Erz und Kohle automatisch auf die Abnehmer umgelegt werden. Arcelor-Mittal zeigt sich flexibler: Der Konzern bietet seinen Großkunden Jahreskontrakte, bei denen die Preise nach sechs Monaten den aktuellen Rohstoffpreisen angepasst werden. Nach Angaben von Arcelor-Mittal hat ein führender Autobauer dieses Modell akzeptiert.
