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Markttrends für Draht und Kabel 2026 laut CRU

Markttrends für Draht und Kabel 2026 laut CRU

Markttrends für Draht und Kabel 2026 laut CRU

Dieser Artikel markiert den Start einer neuen vierteljährlichen redaktionellen Serie von CRU, einer weltweit anerkannten Autorität für Metalle, Werkstoffe und Wertschöpfungskettenanalysen. Jede Ausgabe liefert zukunftsgerichtete Einblicke in die Draht- und Kabelindustrie und konzentriert sich auf die Trends, Risiken und Chancen, die die Märkte für metallische Drähte und Kabel sowie für optische Fasern und Kabel prägen.

Diese Erstausgabe skizziert insbesondere die wichtigsten Einschätzungen von CRU für 2026 und hebt die zentralen Marktfaktoren hervor, die das kommende Jahr prägen dürften.


Globales Marktumfeld


Die globale Draht- und Kabelindustrie wird weiterhin durch die strukturelle Nachfrage nach Elektrifizierung und Konnektivität getragen. Mit dem Fortschreiten von Urbanisierung und Industrialisierung weltweit steigt die Nachfrage sowohl nach metallischen als auch nach optischen Kabeln, was den zunehmend energie- und datenintensiven Charakter des modernen Lebens widerspiegelt.

 

Im vergangenen Jahr haben sich Rechenzentren als bedeutender Wachstumstreiber für die Kabelindustrie etabliert, wobei der Leistungsbedarf und die Anforderungen an die Datenkonnektivität in allen Anwendungen rekordhohe jährliche Wachstumsraten erreicht haben. In Kombination mit übergeordneten Themen wie Dekarbonisierung, Energiesicherheit und beschleunigter Digitalisierung bleibt die Gesamtnachfrage nach Kabeln robust. Während in bestimmten Segmenten kurzfristige Herausforderungen bestehen – etwa langsamere FTTH-Rollouts und zyklische Schwächen im Bauwesen – ist die Branche insgesamt weltweit gut positioniert, um diesen Druck aufzufangen.


Stromübertragungsinfrastruktur als Stütze der globalen Draht- und Kabelnachfrage

 

Trend Nr. 1

Anhaltende chinesische Kabelexporte bei schwacher Inlandsnachfrage

 

Die anhaltende Schwäche im chinesischen Bausektor belastet weiterhin die Nachfrage nach Baukabeln, während die Produktionsleistung im verarbeitenden Gewerbe sowie der Ausbau der Stromnetze vergleichsweise stark bleiben. Obwohl neue Anti-Involutions-Maßnahmen darauf abzielen, übermäßigen Wettbewerb einzudämmen und eine weitere Margenerosion zu begrenzen, wird erwartet, dass die Hersteller weiterhin stark auf Exporte angewiesen bleiben, um die schwachen Bedingungen auf dem Inlandsmarkt auszugleichen.

 

Kleinere Hersteller könnten Schwierigkeiten haben, sich an dieses exportabhängige Umfeld anzupassen, was die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Konsolidierung unter wirtschaftlich angeschlagenen Marktteilnehmern erhöht.

 

Trend Nr. 2:

Rückverlagerung der Produktion in die USA infolge steigender Zölle

 

Importe machen derzeit rund ein Viertel des gesamten US-Kabelangebots aus. Die Section-232-Zölle von 50 % auf bestimmte Kupfer- und Aluminiumkabel sowie auf Walzdraht machen diese Importe jedoch zunehmend unwirtschaftlich. Mit dem Abbau der Lagerbestände dürfte die Inlandsproduktion an Attraktivität gewinnen.

 

Derzeit gilt Section 232 vor allem für Niederspannungs-Kupferkabel, es besteht jedoch das Potenzial für eine Ausweitung der Zölle auf weitere Importkategorien, einschließlich Energiekabel. Mit Blick auf die Zukunft dürften zudem geplante Zölle auf raffiniertes Kupfer ab 2027 Investitionen in neue US-Kapazitäten für die Walzdrahtherstellung unterstützen.

 

Trend Nr. 3:

Anhaltend starke Rechenzentrumsnachfrage bei Rekordinvestitionen

 

Der Rechenzentrumsmarkt hat sich zu einem zentralen Nachfragetreiber sowohl für metallische als auch für optische Kabelsegmente entwickelt. Metallische Kabel profitieren von steigenden Leistungsanforderungen, und trotz Bedenken hinsichtlich der langfristigen Nachhaltigkeit des Investitionsniveaus verzeichnen Rechenzentren weiterhin das stärkste jährliche Wachstum über alle Kabelanwendungen hinweg.

 

Energiekabel für die Energieinfrastruktur sowie Niederspannungskabel im Hochbau verzeichnen beide zusätzliche Nachfrage aus diesem Segment. Bis 2026 sollen Rechenzentren rund 8 % der gesamten US-Nachfrage nach metallischen Kabeln ausmachen.

 

Im Bereich der Glasfaser verändern eine stärkere Nachfrage nach Serverraum-Konnektivität und Rechenzentrums-Interconnect die Verbrauchsmuster. Die Nachfrage nach optischen Kabeln aus Rechenzentren soll 2026 rund 16 % der gesamten globalen Nachfrage erreichen, wobei Anbieter diesem Segment zunehmend Priorität einräumen.

Infrastruktur von Rechenzentren treibt die Nachfrage nach Energiekabeln und optischen Fasern

 

Trend Nr. 4:

Weitere Konsolidierung unter europäischen Anbietern von optischen Kabeln erwartet

 

Europa dürfte 2026 einen kleineren Kreis aktiver Anbieter von optischen Kabeln aufweisen, da sich der Konsolidierungsprozess beschleunigt. Anhaltender Preisdruck, verhaltene regionale Nachfrage und aggressive Exporte aus Asien belasten weiterhin die Margen, insbesondere bei mittelgroßen Herstellern.

 

Trend Nr. 5:

Hollow-Core-Fiber-Ökosystem wächst, kommerzielle Einführung bleibt jedoch in frühem Stadium

 

Hollow-Core-Fiber (Hohlkernfasern) dürften 2026 zunehmend an Bedeutung gewinnen, da die Zahl der Anbieter, Pilotprojekte und Technologiepartnerschaften in den USA, Europa und China weiter zunimmt. Das Interesse von Hyperscalern bleibt hoch, getrieben durch die geringe Latenz und niedrige Dämpfung dieser Technologie, die gut mit den Anforderungen moderner Rechenzentrumsinfrastrukturen übereinstimmen.

 

Investitionen in Hollow-Core-Fiber dürften neue gemeinsame Entwicklungsprogramme zwischen Hyperscalern, Telekommunikationsanbietern sowie Herstellern von optischen Fasern und Kabeln anstoßen und bestehende Kooperationen beschleunigen. Gleichzeitig eröffnet das Segment Chancen für Start-ups, in diese spezialisierte Nische einzutreten und Partnerschaften mit etablierten Marktteilnehmern einzugehen.

 

Kurz gesagt

 

Die Dynamik bleibt sowohl auf den Märkten für metallische Drähte und Kabel als auch für optische Fasern und Kabel insgesamt positiv, trotz anhaltender Herausforderungen in einzelnen Anwendungen. Hersteller metallischer Kabel müssen sich auf veränderte globale Angebots- und Handelsstrukturen einstellen, insbesondere auf Chinas exportseitige Neuausrichtung im Rahmen der Anti-Involutions-Politik sowie auf die zunehmende Attraktivität des US-Marktes, da Zölle und Kupferpreisdifferenzen die Handelsströme neu ausrichten.

 

Im Bereich der optischen Fasern und Kabel verschärft sich der Wettbewerb entlang der gesamten Wertschöpfungskette, da Anbieter verstärkt nach regionalen und anwendungsbezogenen Wachstumschancen suchen, um schwächere Inlandsnachfrage und anhaltenden Preisdruck zu kompensieren. Trotz Anzeichen von Marktsättigung und zyklischer Abschwächung bleibt die Draht- und Kabelindustrie strategisch essenziell, zunehmend innovationsgetrieben und durch langfristige Nachfragefundamentals gestützt, die auch 2026 als weitgehend intakt gelten.

 

Autoren:

Aisling Hubert
Leiterin, Wire & Cable Services – Chicago

Aisling ist Redakteurin des CRU Wire & Cable Market Outlook sowie des Electricity Transmission Market Outlook. Ihre Arbeit konzentriert sich auf globale Trends bei metallischen Drähten und Kabeln, mit besonderem Fokus auf Elektrifizierung, Energiewende und infrastrukturgetriebene Metallnachfrage. Aisling besitzt einen MSci-Abschluss in Geologie von der University of Southampton und ist Mitglied von Women in Mining UK.

 

Ahmed Ali
Leiter, Optical Fibre and Cable Service – London

Ahmed leitet den Optical Fibre and Cable Service von CRU und ist Redakteur des Optical Fibre & Cable Market Outlook. Seine Fachkompetenz umfasst optische Fasern, optische Kabel, Rechenzentrums-Konnektivität sowie FTTx-Märkte. Ahmed besitzt einen Masterabschluss in Communications Electronics and Computer Engineering von der University of Nottingham.

 

Das Wire-and-Cable-Team von CRU liefert seit Jahrzehnten marktführende Analysen und Kundenunterstützung, mit spezialisierten Experten in wichtigen globalen Zentren wie London, Chicago, Pittsburgh, Peking, Shanghai und Neu-Delhi. Spezialisten stehen für den direkten Austausch zu neuen Trends und Marktentwicklungen zur Verfügung.

Gestützt auf eine einzigartige Position in der Draht- und Kabelindustrie sowie die enge Zusammenarbeit mit den internen CRU-Teams für Kupfer, Aluminium, Wirtschaft und Nachhaltigkeit kombinieren die Dienstleistungen von CRU proprietäre Daten mit robusten Methoden. Das Team liefert hochwertige Marktanalysen und Prognosen zur Unterstützung strategischer, kommerzieller und politischer Entscheidungen.

Die Analysen von CRU werden über Abonnementdienste bereitgestellt und bieten direkten Zugang zu kundenorientierten Rohstoffexperten.
Weitere Informationen finden Sie bei CRU Wire and Cable.

 

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Freitag, 9. Januar 2026