Stahlkocher gegen teure Rohstoffe
Stahlkocher gegen teure Rohstoffe. Tausende Stahlkocher haben am letzten Donnerstag bundesweit und in Brüssel gegen die Explosion der Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt protestiert. Nach einem mit dem weltgrößten Erzkonzern Vale in den vergangenen Tagen ausgehandelten Vertrag muss ThyssenKrupp laut Unternehmensangaben Preissteigerungen von rund 100 Prozent für Eisenerz hinnehmen. Die Beschäftigten befürchten Stellenabbau wegen der zu erwartenden deutlichen Anhebung des Stahlpreises. Nach Angaben der IG Metall protestierten allein in Duisburg fast 10 000 Beschäftigte. Weitere 3000 Mitarbeiter kamen zu Veranstaltungen nach Potsdam, Hamburg und Brüssel. Im Duisburger ThyssenKrupp-Stahlwerk wurde die Produktion teilweise stillgelegt. Nach der jüngsten Anhebung der Stahlpreise Anfang April werde zum 1. Juli bereits über eine neue Stahlpreisrunde nachgedacht, so der Unternehmenssprecher. Nähere Angaben zur Höhe der geplanten Preisanhebungen machte das Unternehmen nicht. Auch der Chef des zweitgrößten deutschen Stahlkonzerns Salzgitter, Wolfgang Leese, hatte in dieser Woche Preiserhöhungen angekündigt. Durch Preissteigerungen von über 100 Prozent für Eisenerz und Kokskohle seien rund 30 000 Arbeitsplätze in der deutschen Stahlindustrie bedroht, sagte der Gesamtbetriebsrats-Vorsitzende des größten deutschen Stahlkonzerns ThyssenKrupp, Wilhelm Segerath. Rund 70 Prozent des Stahlpreises entfielen auf Rohstoffkosten. Deshalb drohe ein deutlicher Anstieg der Stahlpreise, sagte Segerath. Die Forderungen nach höheren Preisen kommen von allen drei Erzproduzenten Vale, Rio Tinto und BHP Billiton, die zusammen über einen Marktanteil von rund 70 Prozent verfügen. Vale ist größter Lieferant des ThyssenKrupp-Konzerns, der rund zehn Millionen Tonnen seines jährlichen Eisenerz-Bedarfs von 16 Millionen Tonnen von dem brasilianischen Unternehmen bezieht. Da der nun ausgehandelte Vertrag nur noch eine Laufzeit von drei Monaten habe, denke ThyssenKrupp nun auch über eine Verkürzung seiner Stahl- Lieferverträge nach, so der Sprecher. Ein Arbeitsplatzabbau sei bei ThyssenKrupp derzeit jedoch nicht geplant. IG Metall-Vorstandsmitglied Bertin Eichler forderte die Bundesregierung auf, Unternehmen, Gewerkschaften und Betriebsräte zu einem Rohstoff- und Energiegipfel einzuladen. «Wir müssen gemeinsam Strategien zur Sicherung der Unternehmen und zum Erhalt der Arbeitsplätze entwickeln», sagte Eichler bei der Kundgebung. Die IG Metall sei dazu bereit. Notwendig seien neue Regeln für Finanzmärkte. «Die Zockerei muss endlich ein Ende haben. Es ist höchste Zeit, die versprochene Finanzmarktregulierung und Eindämmung der Spekulation umzusetzen», sagte Eichler.
