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Verunsicherung trotz Rekordproduktion

Verunsicherung trotz Rekordproduktion

Verunsicherung trotz Rekordproduktion. Auch wenn Marktforscher eine Rekordproduktion ewarten: Die Stahlbranche bleibt auch nach der Krise weiterhin tief verunsichert. Statt klarer Worte bleibt dieses Mal auch Marktführer Arcelor-Mitt eine konkrete Prognose für 2011 schuldig. Besonders unübersichtlich ist die Lage dabei vor allem in Europa. Arcelor-Mittal-Chef Lakshmi Mittal ist ein Freund klarer Worte. Als die Stahlbranche im Herbst 2008 von der Wirtschaftsflaute gepackt wurde und der Industriezweig in eine tiefe Krise stürzte, war er es, der eine drastische Reduktion der Stahlproduktion ankündigte. "Preis geht vor Menge", sagte Mittal damals. Jetzt, zwei Jahre später, scheint die Krise gebannt, die globale Stahlproduktion steuert in diesem Jahr auf einen neuen Rekord zu. Knapp 1,5 Milliarden Tonnen Stahl sollen in diesem Jahr weltweit produziert werden, haben die britischen Marktforscher von MEPS errechnet. Doch trotz der erwarteten Rekordproduktion ist die Branche tief verunsichert. Und statt klarer Worte bleibt auch Marktführer Arcelor-Mittal deshalb eine konkrete Prognose für dieses Jahr schuldig. Für die erste Jahreshälfte stellte Lakshmi Mittal zwar eine Erholung der Stahlnachfrage in Aussicht. Wie sich das zweite Halbjahr entwickeln werde, sei aber noch nicht abzusehen, sagte er bei der Bilanzpressekonferenz in Luxemburg. Unübersichtlich ist die Lage vor allem in Europa. In den EU-Ländern werde die Produktion in diesem Jahr mit 178 Millionen Tonnen nur knapp über dem Wert von 2010 verharren, heißt es beim Marktforscher MEPS. Mittal rechnet mit einer Erholung auf das Vorkrisenniveau erst im Jahr 2015. Europas Hüttenkonzerne hatten 2007 noch 210 Millionen Tonnen Stahl produziert. Für das weltweite Wachstum sorgen die Märkte China und Indien. Die Erholung in der ersten Jahreshälfte will Arcelor-Mittal für eine Anhebung der Stahlpreise nutzen. Dies sei nötig, um die Mehrkosten beim Rohstoffeinkauf auszugleichen, sagte Mittal. Der Preis für Eisenerz hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt, der für Kokskohle legte um 40 Prozent zu. Und die Preise steigen weiter, auch wegen der von Wetterkatastrophen in Australien ausgelösten Produktionsausfälle. Im zweiten Quartal sollten die Preise ihren Höchststand erreichen, sagte Mittal. Im vergangenen Jahr konnten die Stahlkonzerne ihre Mehrkosten bei den Rohstoffen nicht vollständig an die Kunden weitergeben. Dies lastet auf den Margen, auch bei Arcelor-Mittal: Mit einem Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 1,85 Milliarden Dollar im vierten Quartal übertraf Arcelor-Mittal zwar die Erwartungen, wie der Analyst Martin Schachtel von der Commerzbank sagt. Das Ergebnis liegt allerdings unter dem im dritten Quartal. Für das laufende Quartal stellte Finanzvorstand Aditya Mittal einen Anstieg des Ebitda auf zwei bis 2,5 Milliarden Dollar in Aussicht. Dies sei besser als vom Markt erwartet, sagte Unicredit-Analyst Christian Obst. Die Aktie von Arcelor-Mittal legte am Dienstag deutlich zu und verhalf auch den Konkurrenten Thyssen-Krupp und Salzgitter zum Kursplus. Anders als bei diesen hängt das Schicksal von Arcelor-Mittal jedoch stärker von der Bauindustrie ab, die in Südeuropa noch immer schwächelt. Die deutschen Konzerne profitieren dagegen von dem Boom der Automobil- und Maschinenbauer. Lakshmi Mittal ist dennoch guter Hoffnungen, dass die europäischen Kunden Preissteigerungen akzeptieren werden. Unter Experten ist aber fraglich, ob die Stahlhersteller sich mit ihren Preisvorstellungen durchsetzen können. Zuletzt waren Verteuerungen um bis zu 150 Euro pro Tonne im Gespräch - dies wäre ein Aufschlag von rund 20 Prozent. Wichtige Abnehmer wie etwa der Haushaltsgerätehersteller Miele haben zwar bereits angekündigt, die Mehrkosten an die Endverbraucher durchreichen zu wollen. Allerdings ist Europas Stahlbranche von Überkapazitäten geprägt. Arcelor-Mittal etwa kam im vergangenen Quartal auf eine konzernweite Auslastung von 69 Prozent. Diese soll nun auf rund 76 Prozent erhöht werden, sagte Aditya Mittal. Eine Lösung für die schwache Auslastung europäischer Stahlwerke könnte eine Konsolidierung sein, wie sie derzeit in Japan stattfindet. Bis Ende 2012 wollen sich Nippon Steel und Sumitomo zum zweitgrößten Hüttenbetreiber weltweit zusammenschließen. "Ich begrüße diese Fusion sehr", sagte Lakshmi Mittal. Auch die Hersteller in Europa sollten über eine Konsolidierung nachdenken. Wegen seiner starken Stellung könne Arcelor-Mittal aber nicht daran teilnehmen.

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Dienstag, 8. Februar 2011

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